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Viersen, Am Alten Stadtgarten - Baudenkmäler der Jahrhundertwende und der 30er/50er Jahre an einer historischen Garten- und Parkanlage 1. Allgemeines Straßen, Plätze und Ensembles - das sind nicht nur für den Denkmalschutz relevante Räume, sondern gleichzeitig auch Orte intensiver öffentlicher Nutzung. Sie stehen daher immer im Konfliktfeld verschiedenster Interessenlagen. In vorindustrieller Zeit hat die Anpassung der überlieferten Bausubstanz an aktuelle Erfordernisse gleichzeitig den Bestand gesichert, auch wenn Veränderungen und Umnutzungen vorgenommen wurden. Denn diese Veränderungen waren handwerklicher Art und dadurch schonender und denkmalverträglicher. Werden heute Straßen und Plätzen auch nicht mehr so rigoros umgestaltet wie es das Betonieren und Asphaltieren der siebziger Jahre mit sich brachte, so ist dennoch der Verkehr nach wie vor eines der wichtigsten Problemfelder beim Erhalt historischer Straßenzüge. Außerdem begünstigen Planungsrealität und Bautechnik, Bodenrecht, Bauordnungsrecht und Investitionsentscheidungen auch heute den Neubau. Die Bodenpreise in den Stadtzentren tragen dazu bei, daß großen parzellenübergreifenden Projekten der Vorrang eingeräumt wird. In der aktuellen Denkmalpflegediskussion wird immer wieder darauf hingewiesen, wie selten etwa bei Planungskonzepten der Erhalt von Denkmalen auch als Ressourcenschutz berücksichtigt wird. Gleichzeitig steht heute die Stadtentwicklungspolitik vor immer komplexeren Aufgaben. Einwohnerrückgang, Leerstanddiskussion und Rückbau werfen neue Fragestellungen auf. Gefragt sind mehr als je zuvor ganzheitliche Konzepte für das gesamte Stadtgebiet oder sogar die ganze Region. Andererseits wächst das Bewußtsein, daß Attraktivität, Image und Unverwechselbarkeit einer Stadt durch das reiche bauliche Erbe und durch ein breites kulturelles Angebot wesentlich geprägt werden. Durch die Erhaltung und denkmalgerechte Nutzung des baulichen Erbes selbst eröffnen sich zunehmend Chancen für die Wirtschaftsförderung. (Quelle: Veröffentlichung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 2002) Im Stadtteil Viersen haben wir das Wohnquartier um den Alten Stadtgarten herum ausgewählt. Obwohl einige Gebäude und der Park bereits Themen von vorausgegangenen Denkmalstagen waren, sollen die einzelnen Gebäude, die Grünflächen aber auch Kunstobjekte im Zusammenhang präsentiert werden und soll deren baugeschichtliche Entwicklung durch eine Führung nachvollziehbar gemacht werden. 2. Städtebaulicher Bezug Im ersten Stadtbauplan von 1860 ist vor dem Bahnhof (1866) ein Marktplatz vorgesehen. Die Realisierung unterblieb. Städtebaulich entwickelte sich um diese gärtnerisch genutzte Freifläche bis
zur Jahrhundertwende ein repräsentatives Stadtquartier:
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Viersen, Stadtplan 1910 (Ausschnitt) |
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1901 wird der „Rathausplatz“ durch den Düsseldorfer Gartenarchitekten Reinhard in einen Barockgarten verwandelt. Das Entree der Stadt Viersen, das sich dem Besucher nach Verlassen des Bahnhofes, bis ca. 1917 in der Achse der heutigen Bahnhofstraße zeigte, hatte damit den städtebaulichen Rahmen gefunden, den die Planer vorweggenommen haben. Die Verlagerung der Eisenbahntrasse nach Osten und damit der Neubau des Bahnhofsgebäudes (1917) am heutigen Standort, ermöglichten den Ausbau einer östlichen Umgehungsstraße, die B 7, die Freiheitsstraße. Ab 1927 schließt der Neubau der Reichspost das heutige Stadtquartier nach Südosten ab. 3. Heutige Situation Mit dem Aktionstag 2002 will der Viersener Heimatverein i.V. mit der Unteren Denkmalbehörde am Beispiel des Wohnquartiers "Alter Stadtgarten" die vorgenannten Qualitäten und die bekannten Konflikte aufzeigen: Die privaten Wohnhäuser Bahnhofstraße 31, Burgstraße 6 und Carl-von-Ossietzky-Straße 2 bis 12, sind im Sinne des Denkmalschutzgesetzes von den heutigen Eigentümern erhalten, restauriert und gepflegt worden. Sie sind positive Beispiele in der Stadt Viersen für das Thema Denkmalschutz. Die ehemalige Reichspost von 1927 steht teilweise leer; die Fassade ist gefährdet, die Türelemente sind total verändert. Ist die künftige Nutzung mit dem Denkmal vereinbar? Wäre das Gebäude nicht eine Alternative zum geplanten Rathausneubau? Die ehemalige Gaststätte Heinrichs mit Wohnung ca. 1890 , Bahnhofstraße 33, ab etwa 1970 Dependance der Jugendmusikschule, steht heute im Eigentum der Stadt Viersen. Die Veräußerung an einen privaten Investor ist beschlossene Sache. Gehen dessen Überlegungen einher mit dem notwendigen sorgsamen Umgang mit diesem Gebäude, das stadtbildprägend ist an der Nahtstelle zwischen der Parkanlage und den Straßenkreuzen Bahnhof- und Burg- sowie Parkstraße. Die Fassaden mit ihren Details des alten Rathauses von 1887 und der ehemaligen Villa Lüps von 1877 (ab 1915 Bürgermeisterwohnung, ab 1937 Teil des Rathauses) haben nahezu 130 Jahre unbeschädigt überstanden. Die Nutzung der Räume als Büros, Technikräume usw. für die Stadtverwaltung haben allerdings starke Verschleißspuren an der z.T. sehr anspruchsvollen Innenarchitektur hinterlassen. Werden im Rahmen des geplanten Umbaus zum Technischen Rathaus diese Wunden und Narben wieder zu heilen sein? Hier liegt eine Chance! Die heutige Denkmalpflege betrachtet das historische Bauwerk nicht mehr isoliert, sondern auch auf die Umgebung bezogen. Denn das Bild unserer Städte und Dörfer ist nicht nur durch die Summe einzelner Bauten geprägt, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Vielmehr wird die Ausstrahlung eines Ortes zugleich von dem Verhältnis der Bauten zueinander bestimmt, von den historischen Straßen und Plätzen, den Straßenführungen und Stadtvierteln. Siedlungsstrukturen und Stadtgestalt verraten vieles darüber, wie die Menschen in der Vergangenheit gebaut haben. Straßen, Plätze und Ensembles sind aber auch die Orte öffentlichen Lebens, zeigen, wie sie früher genutzt und gestaltet wurden und wie wir heute mit ihnen umgehen. So sind etwa historische Altstädte, die substanzschonend restauriert wurden, nicht nur „begehbare Geschichtsbücher" und als solche für den Fachmann und den interessierten Besucher gleichermaßen faszinierend. Sie stellen mit ihren vielfältigen Strukturen und ihren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Eigenarten die Quellen lokaler Identität dar. Das Thema „Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles" soll diese wichtigen städtebaulichen Aspekte der Denkmalpflege, die einen Fokus der gegenwärtigen fachlichen Diskussion bilden, einen Tag lang in den Vordergrund stellen. Text: Fred Pollmanns, Verein für Heimatpflege e.V. Viersen
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