Der Architekt Bernhard Pfau

In ihrer Ausgabe vom 1. Juni 2002 stellte die FAZ in einer Würdigung zum 100. Geburtstag von Bernhard Pfau fest, dass der Architekt in Düsseldorf, wo er von 1928 bis zu seinem Tode 1989 lebte und arbeitete, inzwischen offenbar beinah vergessen sei. Nicht nur seien seine Hauptwerke entweder abgerissen (Studienhaus) oder verschandelt (Haus der Glasindustrie), noch nicht einmal das Schauspielhaus, vielleicht das bekannteste Werk Pfaus und eines der Wahrzeichen der Stadt, erinnere an "seinen" Architekten.
Nun, ganz so schlimm steht es vielleicht doch nicht um das Werk eines der bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Selbst in Düsseldorf zeugen neben dem Schauspielhaus z.B. noch Pfaus eigenes Atelierhaus in der Stephanienstraße (Nr. 26) oder das Jugendhaus am Carl-Mosterts-Platz von seinem Schaffen, bedeutende - denkmalgeschützte - Ecksteine bilden auch das Wohnhaus Vogelsang in Krefeld (Moylandstr. 23) und vor allem die dortige Textilingenieurschule am Frankenring. Und auch in Viersen sind mit den beiden Wohnhäusern, die Bernhard Pfau 1931 und 1952 für Walter Kaiser (Kaiser's Kaffee) an der Burgstraße entwarf, zwei hervorragende Werkbeispiele erhalten und seit 1990 bzw. 1995 in die Denkmaliste eingetragen.
Überhaupt sind eine Konstante im Wek von Pfau seine guten Beziehungen zu Unternehmern, die interessiert und bereit waren, moderne Architektur zu füördern und zu verwirklichen. In Krefeld taten dies Hermann Lange und Josef Esters bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren, als sie nicht nur ihre eigenen Wohnhäuser, sondern auch die Verseidag-Werke von Ludwig Mies van der Rohe errichten ließen. Pfau plante 1937 den Stand der Deutschen Samt- und Seidenindustrie auf der Ausstellung "Schaffendes Volk" in Düsseldorf und trat wohl über diese Verbindung gleichsam in die Fußstapfen von Mies. Das Wohnhaus für den Textilingenieur Richard Vogelsang in Krefeld, aber auch z.B. das Wohnhaus des Seidenfabrikanten Emil Vorster in Rheydt sind weitere Beispiele dafür - die Verbindung mit Vorster, vor und nach dem Krieg ein engagierter Hobby-Rennfahrer und einer der Initatoren des Grenzlandrings als Rennstrecke rund um Wegberg, brachte Pfau auch Aufträge für die Einrichtung einer Automobilausstellung in Rheydt und für eine Tribüne am Grenzlandring, beides etwa 1949. Die Zusammenarbeit mit Walter Kaiser in Viersen, dessen erstes Wohnhaus (Burgstraße 4) 1930 einer der ersten Aufträge überhaupt für den jungen Architekten Pfau war, unterstreicht dieses Phänomen, wie überhaupt eine noch zu schreibende Baugeschichte des Unternehmens Kaiser's Kaffee und seiner Besitzer eine lohnende Aufgabe wäre.

Haus der Glasindustrie und Studienhaus in Düsseldorf

Pfau, 1902 in Mainz geboren, hatte seine Ausbildung überwiegend in den Büros anderer Architekten, insbesondere bei Emil Fahrenkamp erhalten, bevor er sich 1928 selbstständig machte. Die durchaus "gemäßigte" Moderne Pfaus erhielt ihm auch nach 1933 noch ausreichend Aufträge, ab 1936 konnte er umfangreiche Bauvorhaben für die Fieseler-Flugzeugwerke in Kassel verwirklichen. Die Arbeit an Militärflughäfen in Frankreich führte dort gegen Kriegsende zu seiner Internierung. 1949 kehrte er nach Düsseldorf zurück, wo er vor allem mit dem Haus der Glasindustrie (1950) und als engagiertes Mitglied des "Architektenringes" bald eine überregional bekannte Leitfigur der modernen Architektenszene wurde - vor dem Hintergrund einer in Düsseldorf Anfang der 1950er Jahre so scharf wie kaum anderswo polarisierten Architekturdebatte zwischen "Traditionalisten" (darunter zahlreichen NS-belasteten Architekten) und "Modernen". Das 1968 eröffnete Düsseldorfer Schauspielhaus zu Füßen des Dreischeiben-Hochhauses - "Skulptur im Stadtraum" (FAZ) - bildet vielleicht den Höhepunkt innerhalb von Pfaus Oeuvre, das 1996 eine Würdigung in Form einer Dissertation von Julius Niederwöhrmeier gefunden hat (Julius Niederwöhrmeier: Das Lebenswerk des Düsseldorfer Architekten Bernhard Pfau 1902-1989, Stuttgart 1997).

 

 

Haus Vogelsang, Krefeld

Text: m.kieser

 

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